Bild1

Helene ist am Montag Hella. Sie ist fest entschlossen. Helene ist zwölf. Montag ist Karneval. Sie geht als Nutte.
Wir lächeln. Andere gingen als Piraten, noch andere als Hexen.
Sie hört nicht. Sie will etwas Reales. Eigentlich ist sie klug. Ihre Lehrerin hat sie sich ausgeguckt. Sie will alles ganz genau so machen. Sie will ganz echt sein – am Montag als Hella.
Wir werten es als Flause. Angemalt, ausgestopft, kurzberockt. Sie gefällt sich als Gefallene. Sie hat es anderen gezeigt!
Wir lächeln nicht mehr.
Ihr kleiner Freund findet sie cool, die anderen Kurzen ohne Meinung. Deren Eltern nicht. Die beäugen uns. Die vermuten etwas, plaudern das weiter.
Helene probt mit hohen Hacken. Auf dem Bordstein schwalbt sie herum, steht an der Ecke. Angewinkeltes Bein und Zigarette. Teufel, wo sie die her hat. Nein, sie rauche nicht, vielleicht am Montag. Sie klatscht Farbe gegen den Mund, bläut die Augen, trägt Perücke. Sie verlangt ihren Preis!
Man lädt uns aus, keine Stimme am Telefon. Es folgen Zettel, zusammengeklebte Worte. In dieser besseren Gegend. Der Pastor, Himmel, der Pastor! Er lässt ein Kreuz zurück. Noch kein Jugendamt.
Wir reden. Wir taktieren. Karneval sei nur so als ob. Karneval sei nicht echt. Sie folgt uns nicht. Wir müssen tapfer sein.

Ein Adventskalender mit 358 Türchen, ein Prost in die Weiten des Universums und ein Pfirsich, der nach dem Sinn in seinem Leben sucht.
Vierundzwanzig Texte in Prosa und Lyrik, die einen haarsträubend besinnlichen Blick auf das werfen, was wir die Wirklichkeit nennen.
Wir sind gut beraten, einen Schritt neben uns zu stehen, um den dicken Enden gelassen entgegenblicken zu können.

Kurztexte mit Kritzelzeichnungen, 120 Seiten, Paperback

Erhältlich beim Verlag, im Buchhandel oder bei amazon.